Erasmus+: Unsere Fahrt nach Göteborg, Schweden

Schon beim Verlassen des Propellerflugzeugs am Flughafen merkte man schon, wie viel frischer die Luft roch. An jeder Ecke sah man irgendetwas in Regenbogenfarben; Fahnen, Busse, Schlüsselanhänger, Sticker, Mosaik und vieles mehr. Dutzende Menschen mit einem guten Modegeschmack liefen an mir vorbei, ich wusste: Hier bin ich richtig. Das ist Göteborg.

Spätestens an der Schule hätte einem klar sein müssen, das Schweden Deutschland nicht so sehr ähnelt:
Meisterwerke an gotischer Architektur, die Flure und Treppenhäuser kamen einem altmodisch und klassisch vor, doch die Klassenräume waren modern und praktikabel.
Die Schüler sahen uns verwirrt an, als wir verzweifelt versuchten, die Tür zum Flur zu öffnen, bis eine Schülerin kam, und uns zeigte, dass man einen Code an einem naheliegenden Monitor tippen musste, damit sich die Tür öffnet. Ich dachte zuerst, nur am Eingang gäbe es solch einen Code, aber auf jedem Flur gab es wohl denselben, um diese betreten zu können.

Das kam mir relativ komisch vor, aber als eine deutsche Person sollte man sich wohl nicht zu viele Gedanken um fragwürdige Sicherheitsvorkehrungen machen.

Nachdem wir unser Gepäck abgestellt hatten, durften wir schon an der ersten Unterrichtsstunde teilnehmen: Geschichte.
Ironischerweise redeten wir über den ersten Weltkrieg, natürlich fielen ein paar Blicke auf uns, aber das störte uns nicht. Wir kamen mit den Aufgaben mit Hilfe von Online-Übersetzern gut klar.

Am nächsten Tag hatten wir ein Treffen in einem Klassenraum, alle Länder waren vertreten. Wir besprachen das Programm, tauschten unsere Ergebnisse und zukünftige Meilensteine in Form von Präsentationen aus, und gingen dann zum Mittagessen in ein naheliegendes Restaurant.

Das Restaurant war eigentlich eine Bar, die aussah, als ob diese aus den 90ern stammte.
Schüler bekommen dort täglich kostenloses, warmes Mittagessen. Wir aßen an dem Tag schwedische Fleischbällchen.
Und erst als ich diese probiert hatte, verstand ich, weswegen diese so bekannt waren.

Der zweite Tag verging, und am nächsten Morgen musste die Hälfte der einen Gruppe schon um 6:45 Uhr am Hafen stehen.

Wir betraten später eine Lagerhalle, in der es noch kälter war als draußen.
Es lagen gestapelte Kisten mit frischem Fisch aufeinander und eine Gruppe von Interessenten ging umher. Wir waren mitten in einer Fischauktion gelandet.
Der Auktionator wusste wohl, wie alles ablief: Ohne ein Wort auszutauschen, zuckten die Kunden mit ihren Augenbrauen und Mundwinkeln, um zu zeigen, dass sie für den Fisch bieten.
Manchmal wurden wenige Kisten für umgerechnet hunderte Euro verkauft, diese wogen dann aber auch zwischen 20 und 40 Kilogramm.

Das schlimmste war: Manche Tiere lebten noch, z. B. bestimmte Hummer und Krabben.
Wir erfuhren, dass Garnelen eines der wichtigsten Produkte sind, da diese eine sehr hohe Nachfrage haben und wieso man manche Lebewesen am Leben erhält. Nämlich damit diese länger frisch bleiben.
Apropos frisch: Wir gingen nach der Auktion in ein Lernzentrum, wo man das richtige Zubereiten von Meerestieren und -früchten lernen kann.
Dort zeigte man uns dann, wie Fischfilet hergestellt wird und wir aßen daraufhin einen Pollack, der noch am selben Morgen gefischt wurde. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie gut dieser schmeckte.
Jeder panierte jeweils ein kleines Stück vom Fisch und später aßen wir dann alle gemeinsam und hörten zu, wie der Vorgang vom Fisch aus dem Meer zum Filet auf dem Teller ablief.

Tag vier verlief äußerst interessant:
Wir gingen in eine Ausstellung von Balenciaga, wo wir über den Designer selbst, über seine bekanntesten Entwürfe und über die damalige und heutige Textilindustrie einiges lernten.
Wir konnten sogar die Kopien der Kleider selbst anprobieren und sahen, wie die uralten Maschinen immer noch aus Wolle Garn webten.
Es war sehr bemerkenswert, wie lang der Weg vom Garn zum Kleid ist und erstaunte viele von uns. Später gingen wir in ein anderes Museum, das über schwedische Historie informiert. Wir hatten sogar die Chance, einen äußerst beeindruckenden Cache vor dem Museum zu finden, daraufhin gab es später ein großes Dinner in der Schule als Abschiedsfeier.
Wir aßen Fleischbällchen und spielten ein lustiges Kahoot-Quiz, daraufhin verabschiedeten wir uns von den anderen Schülern aus den Partnerländern und gingen getrennte Wege.

Der darauffolgende Morgen kam mir sehr ruhig vor, wir verabschiedeten uns fürs Erste von der ersten Gruppe, die früh morgens zurückflog. Die andere Hälfte der Gruppe verbrachte noch einen Tag in Schweden.
Da unsere Gastschwestern und -brüder im Unterricht waren, mussten wir uns selber irgendwie beschäftigen, also gingen wir geocachen, sahen uns weitere Sehenswürdigkeiten an und kauften Proviant für den Rückflug um 20:00 Uhr.

In Deutschland angekommen taten wir alle dasselbe: Wir gingen ins Bett und schliefen auf der Stelle ein.
Doch für diese Fahrt, hat sich die ganze Mühe wahrlich gelohnt: Wir lernten eine Menge über die schwedische Kultur, deren Schulsystem, deren grüne Alternativen im Alltag sowie über ihre Fischerei und über ihre Textilindustrie.

Ipek Tacir

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