Social Media [ˌsoʊ.ʃəl ˈmiː.di.ə]

Grafik: Constantin Birken

digitale Medien, durch die Nutzer sich online vernetzen und sich mit Hilfe von Texten, Bildern, Videos o. Ä. untereinander austauschen

Auf dem Startbildschirm meines Smartphones befinden sich genau 15 Apps. Neben der Kamera, den Einstellungen oder dem Play Store habe ich dort unter anderem WhatsApp, Instagram und YouTube platziert. Drei der beliebtesten Social Media-Apps.

Aber was macht diese Apps zu „Social Media“? Nun, grob kann man diese Services in zwei Kategorien einteilen: Plattformen, die vor allem die Kommunikation zwischen mehreren Nutzern ermöglichen (z. B. WhatsApp) und Plattformen, bei denen der Fokus auf den vom Nutzer erstellten Inhalten liegt (z. B. Instagram).

Angefangen hat alles 1973, als Doug Brown und David R. Woolley mit „Talkomatic“ das erste Online-Chat-System entwickelten. Anders als bei heutigen Chat-Apps wurden bei dieser Anwendung die Nachrichten schon während der Eingabe Zeichen für Zeichen auf die Bildschirme der Teilnehmer übertragen.

Talkomatic existiert übrigens immer noch und ist in einer aktualisierten Version unter www.talko.cc zum Ausprobieren verfügbar.

Viele Jahre später erschien dann im Mai 1997 „Six Degrees“. Diese Webseite wird als erste richtige Social-Media-Plattform angesehen und bot bereits Funktionen wie das Erstellen von Profilen, Freundeslisten und dem Festlegen einer Schulangehörigkeit.

Auf dieser Grundidee basieren heutzutage zum Beispiel Netzwerke wie Facebook, das im Februar 2004 gegründet wurde.

Mittlerweile hat Facebook laut eigenen Angaben circa 2,27 Milliarden aktive Nutzer weltweit und ist damit das soziale Netzwerk mit den meisten Nutzern. Von diesen Mitgliedern nutzen etwa 65 % Facebook täglich, ein Besuch dauert durchschnittlich 20 Minuten. Und in dieser Zeit passiert einiges: Pro Minute werden dort ungefähr 510.000 Kommentare gepostet und 136.000 Fotos hochgeladen.

Was genau Facebook mit diesen Daten anstellt, ist weitestgehend unklar. Immer wieder wird das Unternehmen wegen schlechtem Umgang mit dem Datenschutz kritisiert.

Soziales NetzwerkEigentümerErscheinungsjahrAnzahl der Nutzer
FacebookFacebook, Inc.20042.270.000.000
YouTubeGoogle LLC20051.900.000.000
WhatsAppFacebook, Inc.20091.500.000.000
InstagramFacebook, Inc.20101.000.000.000
TikTokByteDance2016500.000.000
TwitterTwitter, Inc.2006336.000.000
SnapchatSnap Inc.2011255.000.000

Doch das ist nicht die einzige Gefahr von Social Media: Es führt zu Sucht, kann zu Depressionen führen und ermöglicht Cyber-Mobbing.

Im Durchschnitt lässt sich jede zehnte Meldung auf Facebook in die Kategorie „Fake News“ einteilen. Das sind bewusst falsche Nachrichten, die sich rasend schnell über soziale Medien verbreiten und von vielen sogar geglaubt werden. So beeinflussen diese dann zum Beispiel politische Meinungen.

Aber bei diesen ganzen Problemen sollte man das eigentlich sehr gute Konzept von Social Media nicht vergessen: Über das Internet können Nutzer sich ganz einfach in Form von Text, Bildern, Videos oder anderen Inhalten untereinander austauschen.

Das hilft zum Beispiel bei der Kommunikation mit Freunden, aber auch, um sich die neusten Fotos seines Lieblings-Promis anzusehen, zu kommentieren und mit seinen Bekannten zu teilen.

Wenn solche Promis ihre Reichweite für Werbung oder Beeinflussung der Abonnenten benutzen, werden sie als „Influencer“ bezeichnet.

Die Influencerin „BibisBeautyPalace“ erreicht mit ihren Videos 5,6 Millionen Abonnenten auf YouTube und mit ihren Fotos 6,5 Millionen Follower auf Instagram.

Werbepartner finden das ideal. Erst kürzlich hat Bianca Claßen, wie BibisBeautyPalace mit bürgerlichem Namen heißt, für die äußerst dubiose App „Coin Master“ in einem ihrer Videos geworben.

Durch die zuvor aufgebaute Beziehung mit den Zuschauern gucken diese die Werbung meistens freiwillig, was für die App-Entwickler natürlich perfekt ist.

Das kann man mit Hilfe der Konsistenztheorie veranschaulichen:

Wenn eine Person jetzt ein Fan von BibisBeautyPalace ist, besitzt sie eine positive Beziehung zu ihr. Sollte die Influencerin nun also zeigen, dass sie eine App gut findet, also eine positive Beziehung zu dieser aufbaut, wird der Fan seine Meinung anpassen oder sich überhaupt erst eine Meinung bilden.

Genauso funktioniert es aber auch umgekehrt: Wenn jemand von einem Influencer überhaupt kein Fan ist und ihn echt nicht ausstehen kann, wird er auch das Produkt, das er empfiehlt, nicht mögen.

Und das Tolle ist: Jeder kann sich bei diesen sozialen Netzwerken registrieren und mit sehr viel Glück und einigen Tricks selbst zu einem Influencer werden. Das gelingt aber nur den Wenigsten. Aktuell braucht man für den „Influencer“-Status mindestens 100.000 Abonnenten, davor ist man für Werbende höchstens ein sogenannter „Mikro-Influencer“.

Während diese Werbeverträge mit verschiedenen Unternehmen für Instagrammer (neben Spenden und eigenen Produkten) die einzige Methode ist, Geld zu verdienen, können YouTuber mit über 1.000 Abonnenten und mehr als 4.000 Stunden Wiedergabezeit im letzten Jahr Werbeclips vor ihre Videos setzen. Einfach Geld verdienen kann man damit trotzdem nicht: Pro 1.000 Videoaufrufen erhält man zwischen ein und zwei Euro.

Wir helfen den YouTubern dabei, indem wir diese Apps fast täglich benutzen – und ich bin lange nicht der einzige, der Instagram, YouTube und WhatsApp auf seinem Startbildschirm platziert hat.

Das ist kein Zufall: Entwickler tun alles, um die Benutzer möglichst lange in ihrer App zu halten. Denn: Je länger jemand eine App benutzt, desto mehr Werbung kann ihm angezeigt werden und desto mehr Geld verdienen dadurch die Mitarbeiter von Facebook, YouTube und Co. Es wird also bewusst versucht, dass in jedem Social Media-Benutzer eine Sucht entsteht, die sich daraufhin negativ auf seine Konzentrationsfähigkeit auswirken kann.

Und das ist ein Problem. Deswegen ist es umso wichtiger, sich selbst Ziele zu setzen und zu überprüfen, ob soziale Medien dafür hilfreich sind oder man sie lieber von seinem Startbildschirm entfernt.

Constantin Birken

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