Die Auserwählten im Labyrinth – James Dashner

„Sein neues Leben begann im Stehen, umgeben von kalter Dunkelheit und staubiger Luft.“ Sowohl für Thomas als auch für den Leser ein interessanter Einstieg in das 496 Seiten lange Abenteuer der sogenannten „Lichter“, die Dashner in seinem ersten Buch der Science-Fiction Trilogie beschreibt.

Ohne jegliche Erinnerungen an seiner Vergangenheit erwacht Thomas auf einer Lichtung, zwar kann er sich kurze Zeit später an seinen Namen erinnern, aber sowohl wo als auch warum er sich dort befindet, bleibt schleierhaft. Doch sein Schicksal ist bei weitem kein Sonderfall. Eine Gruppe von Jungen erwartet ihn auf der großen Wiesenfläche und zeigt ihm ihr mühsam aufgebautes und sonderbares Leben, denn das Wort „Lichtung“, ist in diesem Buch zweifellos kein netter Fleck irgendwo im Wald. Vier hohe, ausladende Steinmauern umgeben den Platz und schließen sich jede Nacht aufs Neue. Hinter ihnen befindet sich das gefürchtete Labyrinth. Auf der Lichtung selber haben die Jungen sich so gut wie möglich eingerichtet, indem sie Tiere halten, einen Garten führen und Unterkünfte errichten. Zwölf Hüter aus verschiedenen Abteilungen, wie beispielsweise dem „Schlitzer“, was ein anderer Begriff für Schlachter ist, versuchen, die Situation auf der Lichtung unter ihrem Anführer Alby zu leiten und zeigen dabei den Ansatz eines politisch-demokratischen Systems. Generell baut Dashner viele Wörter in einem anderen Zusammenhang ein oder erfindet sogar neue dazu. Beispielsweise wird Thomas anfänglich mit dem Wort „Frischling“ begrüßt, was so viel wie „Neuankömmling“ bedeuten soll und die Jungen nennen sich untereinander oft scherzhaft oder beleidigend „Strunk“. Schnell findet Thomas Freunde in seinem neuen Zuhause und lernt das Leben auf der Lichtung kennen, doch nicht alle sind ihm wohl besonnen, wie beispielsweise Gally, welcher Thomas für ihre missmutige Lage verantwortlich macht. Andere wiederum, wie Newt oder Chuck vertrauen ihm und setzten sich für ihn ein. Minho, ein asiatischer Junge, belegt im Buch die Rolle des Hüters der Läufer. Jeden Morgen, bei Sonnenaufgang, begibt er sich mit den anderen seiner Abteilung in das Labyrinth und versucht, einen Ausweg zu finden, der sie rettet. Seine Aufgabe ist eine der Gefährlichsten auf der Lichtung, denn das Labyrinth ändert sich jede Nacht auf neue und in ihm leben Ungeheuer, genannt Griewer, die töten, wenn man ihnen begegnet. Auch Thomas will unbedingt das Labyrinth erforschen und kämpft dafür, indem er einige Regeln auf den Kopf stellt. Dabei bringt er mit seinem offenen, mutigen und sehr neugierigen Charakter neuen Wind in die Gesellschaft, welche durch die vielen Jahre ohne Ausweg, die Hoffnung schon aufgegeben hat. Zu einem absoluten Plot-Twist kommt es mit Teresa, welche wie Thomas am Anfang auf die Lichtung gebracht wird und nun als einziges Mädchen als eine Art Warnung und Bedrohung angesehen wird, vor allem da sich Thomas an sie erinnern kann und eine besondere Beziehung zu ihr hat. Zusammen versuchen die Lichter schließlich, eine Fluchtmöglichkeit zu finden, bis sich die Situation wendet und eine neue Bedrohung auftaucht, die die Jugendlichen zu vernichten könnte.

Für mich hatte der Roman einen enormen Suchtfaktor, sodass ich ihn nicht mehr aus der Hand legen konnte. Dafür gab es mehrere Gründe; einmal beschreibt Dashner die Szenen nicht zu lange, man hat niemals das Gefühl, im Buch nicht weiterzukommen und auf einer Stelle festzuhängen, da man immer mit dem Ziel gelesen, hat diese eine große Frage aufgeklärt zu bekommen, nämlich „Wie entfliehen sie dem Labyrinth?“, was das Buch bis zum Ende hin spannend gehalten hat. Zudem könnte man denken, dass es wenig Möglichkeiten gibt, die Schauplätze und Personen zu variieren, da die Jungen auf der Lichtung eingesperrt sind, jedoch kommt es immer wieder zu neuen Ereignissen und der Autor bringt trotz der begrenzten Möglichkeiten unfassbar viele kreative Ideen in die Geschichte ein, die erstmal unbedeutend wirken, aber im späteren Verlauf viel zur Gesamthandlung beitragen. Abgesehen von all den guten Punkten, gab es eine Sache, die mich persönlich gestört hat: Ich hätte es besser gefunden, wäre das Buch aus der Ich-Perspektive geschrieben worden, denn durch die Erzählperspektive aus der dritten Person, habe ich mich niemals ganz in Thomas als Protagonisten hineinversetzen können. Zwar bekam ich Informationen über ihn und seine Gedanken, aber dieses Mitfiebern, was mich sonst immer fasziniert beim Lesen, war tatsächlich nur eingeschränkt möglich. Jedoch macht der Autor diesen Punkt mit seiner unfassbar guten und so real erscheinenden Storyline wieder gut.

Schlussendlich würde ich das Buch jedem empfehlen, egal wie alt, der sich gerne in Dystopien ziehen lässt, denn mit seiner Geschichte hat James Dashner eine völlig neue und fesselnde Welt geschaffen, die man nicht so schnell wieder verlassen möchte.

Spannung: 5/5

Kulisse: 4/5

Geschichtsidee: 5/5

Lesbarkeit: 4/5

Umsetzung der Charaktere: 2/5

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