Erasmus+, ein Interview mit Herrn Flosbach

Foto: Herr Flosbach

Worum geht es bei Erasmus+ überhaupt? In Erasmus+ geht es darum, dass wir mit vier verschiedenen Partnerschulen an der Zukunft Europas arbeiten. Frau Veggian hat einen 90-seitigen Antrag nach Brüssel geschickt. Dieser Antrag wurde dann vom EU-Parlament angenommen. Wir als Erasmus+ Team setzen uns für die Technologie bei der Arbeit ein und arbeiten mit den Partnerschulen aus Metković (Kroatien), Florenz (Italien), Göteborg (Schweden) und Bourges (Frankreich) eng zusammen. Allerdings arbeiten wir nicht nur daran die Technologie in modernen Berufen zu verbessern, sondern auch daran, traditionelle Berufe, die nicht so angesagt sind, interessant für die Jugend zu machen. Auch setzen wir uns gegen Arbeitslosigkeit in ganz Europa ein.
Ich habe diesmal Herrn Flosbach interviewt.

Was hat Sie dazu gebracht, bei Erasmus+ mitzuwirken?
Ich wurde von Herrn Becker angesprochen, ob ich Frau Veggian unterstützen könne. Als mir Frau Veggian als Ansprechpartnerin vom Projekt erzählte, war ich Feuer und Flamme. Sie erzählte, dass das Projekt „Traditionelle Berufe und Kulturtechniken“ öffentlichkeitswirksam präsentieren solle und auch Menschen außerhalb des Kontextes „Schule“ ansprechen müsse. Außerdem erwähnte sie, dass die kroatischen Partner des Projektes in einem früheren Erasmusprojekt digitale Wanderwege in Europa aufgearbeitet hätten. Da hat es bei mir „Klick“ gemacht und ich habe Geocaching vorgeschlagen. Es gibt über 3 Millionen Cacher und Caches weltweit, also eine große Community mit Mitgliedern jeder Altersgruppe, es ist modern, digital und macht Spaß.

Was halten Sie von Ihren Erasmus+-Kolleg:innen?
Ist das eine Fangfrage? Mit Frau Veggian und Frau Renn verstehe ich mich gut. Die Partner in den anderen Ländern sind ebenfalls nett, jedoch komme ich aufgrund von Mentalitätsunterschieden mit manchen besser aus als mit anderen. Das hängt auch mit unterschiedlichen Prioritäten zusammen.

Was möchten Sie mit dem Projekt erreichen?
Die Idee, über Berufe zu informieren und Schülern Alternativen zum Studium aufzuzeigen, finde ich schon wichtig. Nicht jeder Abiturient ist für das Studium geeignet, nicht für jeden Schüler/Abiturienten ist das Studium die richtige Wahl. Für wem im Kursraum sitzen, zuhören und mitschreiben eine Qual ist, tauscht in der Uni oft nur die Größe des Raumes: Hörsaal statt Klassenzimmer. Bei Massenfächern wie Jura oder BWL ist die Anonymität vielleicht auch ein Problem. Manche Leute sollten eher handwerklich oder kreativ tätig sein.
Da ich Geocaching schon länger als Hobby betreibe, habe ich auch ein Interesse daran, dass in diesem Projekt coole Caches entstehen, die verschiedene alte Berufe (z. B. Schreiner, Metzger, Schuster) und Kulturtechniken (z. B. Printenherstellung) vorstellen.

Worauf freuen Sie sich in den nächsten Jahren am meisten?
Die dritte Mobilität in Frankreich werde ich leider nicht begleiten können, da ich dann mit der Q2 auf Studienfahrt bin. Ich hoffe, bei Florenz wieder dabei zu sein und dann natürlich, wenn alle Partner am Ende zu uns kommen.

Was fanden Sie am besten auf der Reise nach Schweden?
Göteborg ist eine tolle Stadt und die Schule in Göteborg war schon beeindruckend. Eines der Highlights war die Unterbringung in der Villa im Süden der Stadt, das gemeinsame Wohnen mit den beiden Kollegen und den Schülern. Was mir ebenfalls gut gefallen hat, war das Treffen mit schwedischen Cachern am 1. April (kein Scherz!).

Haben Sie etwas an der Schwedenfahrt nicht gemocht? Wenn ja, was?
Ich hatte gehofft, dass das Projekt schon viel weiter sein würde. Ich dachte, wir würden die von den Schweden gelegten Caches prüfen, Verbesserungsvorschläge machen und neue, bessere Caches gemeinsam legen. Das war aus verschiedenen Gründen leider nicht der Fall.
Das App-Restaurant, in dem wir am letzten Abend mit den Kolleginnen essen gegangen sind, war auch gewöhnungsbedürftig. Die Bestellung erfolgte über eine App, ebenso die Benachrichtigung, dass das Essen abholbereit sei. Kaum war ich beim Abschicken der Bestellung, da war der Akku meines Handys fast leer. Ohne Powerbank wäre ich aufgeschmissen gewesen. Das Essen war lecker, die Portionen jedoch waren winzig. Ich würde da persönlich nicht unbedingt noch einmal hingehen.

Wie haben Sie das Verhältnis der deutschen Schüler:innen mit den anderen Schüler:innen aus den Partnerschulen wahrgenommen?
Das war anders als in Kroatien, wo viele Schüler:innen auf kleinem geografischem Raum zusammen waren. Die Schwed:innen wohnen oftmals außerhalb von Göteborg, so dass viele Schüler:innen nicht die Gelegenheit hatten, sich abends zu treffen. Das war in Kroatien für die meisten Schüler:innen einfacher möglich, die haben sich abends schnell kurzgeschlossen und sich dann einfach irgendwo auf eine Pizza getroffen.

Wie sind Sie zum Geocaching gekommen?
Das war während eines Lehrerausfluges an meiner Ausbildungsschule, dem Couven-Gymnasium in Aachen. Ein Kollege hatte ein fürchterlich hässlich-klobiges Handy dabei. Als ich ihn ansprach, sagte er, das sei ein GPS-Gerät für Geocaching. Geo-what? Er hat es mir dann erklärt und als sich das Lehrerwandern an einer Stelle auflöste, weil die älteren Kollegen in Richtung Kaffee & Kuchen abkürzen wollten, sind der Kollege, 4 – 5 weitere Kollegen und ich zu einem Cache abgebogen. Wir haben ihn schnell gefunden und es hat Spaß gemacht. Als er dann später in der Projektwoche Cachen als Thema anbot, habe ich mich ihm angeschlossen und auch das hat viel Spaß gemacht. Richtig cachen gehe ich aber erst seit 2012, weil ich das damals in Würselen als Projekt angeboten hatte.

Was reizt Sie so sehr am Geocaching?
Gute Frage! Wo fange ich an? Geocaching ist eine tolle Freizeitbeschäftigung, die mich dazu bringt, mich mehr zu bewegen und wandern zu gehen. Oftmals bringt es mich an Orte, an die ich sonst nie gehen würde. Diese Osterferien haben wir einen kurzen Stopp in der Stadt Eufaula, Alabama eingelegt, weil da 3 Caches waren. Nette kleine Stadt, guter Kaffee, nette Leute. Da wären wir sonst vermutlich dran vorbeigefahren.
Jeder Fund eines Caches zaubert ein Symbol auf meine Geocaching-Landkarte und das motiviert mich zusätzlich. Der Spaß fängt bereits zuhause an, wenn man die Karte ansieht und sich eine Route aussucht. Die soll dann entweder möglichst viele, möglichst schwere oder möglichst unterschiedliche Caches beinhalten. Oftmals muss man vorher Aufgaben für die Mystery-Caches lösen, weil die Koordinaten bei denen verrätselt sind.
Manche Rätsel beschäftigen einen schon tagelang, wie „Alles was übrig geblieben ist…“ (GC5J0K7) von der nessi-family. Da habe ich mit meiner Frau on und off über eine Woche dran gesessen.

Was ist denn das für ein Rätsel?
Dieser Cache ist eine Sammlung von 17 Geschichten rund um Kuriositäten, Dinge, die Herr Nessi bei der Recherche für ein anderes Rätsel gefunden hatte. Es geht um Weihnachtslieder, Erfindungen, merkwürdige Todesfälle. Dazu hat er noch eine Grafik erstellt, die diese 17 Rätsel illustriert. Teilweise hilfreich, teilweise führt es auf falsche Fährte. Da haben meine Frau und ich lange dran gesessen. Da sitze ich im Kino und warte darauf, dass der Film anfängt und plötzlich habe ich einen Geistesblitz für eines der 17 Rätsel. Das war echt toll und der Höchstschwierigkeit „5“ völlig angemessen.

Welche Art von Caches macht Ihnen am meisten Spaß?
Auch das ist eine gute und schwierige Frage! Geht es um Cachetypen, also Tradi, Multi oder Mystery oder darum wie die Caches gestaltet sein sollten?

Fangen wir mit den Cachetypen an.
Ja, auch bei den Cachetypen kommt es drauf an, wo gerade mein Fokus liegt. Wenn Geocaching wieder eine Souvenir-Reihe anbietet, bei der man in einer bestimmten Zeit eine bestimmte Anzahl an Caches gefunden haben muss, so sind mir Tradis lieb, da ich eher Wochenend-Cacher bin und man mit Tradis schnell Punkte machen kann. Anfang des Jahres gab es eine Souvenirreihe rund um Karneval. Da bekam man für jeden Cache Punkte und ab einer bestimmten Punktzahl einen digitalen Sticker, der Karneval in Köln, Venedig, Nizza oder Rio darstellte. Meine Frau mag Multis am liebsten, da die oft über mehrere Stationen zum Ziel führen. In Maastricht gibt es einen schönen Multi entlang der Stadtmauer (GC1YDMB), das ist wie ein digitaler Fremdenführer. Mysteries finde ich gut, weil man da geistig herausgefordert ist. Aktuell habe ich mich auf Virtuals und Wherigos eingeschossen.

Was sind Virtuals und Wherigos?
Virtuals haben einen Geist als Symbol. Es sind Caches, wo es keine Dose gibt, weil sie z. B. auf militärischem Sperrgebiet abgelegt sind, bei der NASA in Cape Canaveral gibt es so einen. Um den Cache als „gefunden“ loggen, also online eintragen zu dürfen, muss man eine Aufgabe erfüllen, ein Schild lesen oder mit einer Statue interagieren, ein Foto an einer bestimmten Stelle machen. Virtuals sind selten geworden, bis Geocaching von einem Jahr neue Virtuals erlaubt hat. Die bringen einen immer wieder zu tollen Orten.
Wherigo ähneln den Multis oder einem interaktiven Computerspiel. Man muss eine so genannte Cartridge herunterladen und dann verschiedene Aufgaben erfüllen. Die Cartridge schickt einen an einen Ort, wo man, sobald man in eine vordefinierte Zone kommt, die nächste Information/Aufgabe erhält: Finde heraus, wer im Haus Nummer 27 in der Via Venezia gelebt hat und wann er gestorben ist. Man sucht das Haus, trägt Name und Todesjahr in die Cartridge ein und wird dann weitergeschickt und muss dann vielleicht eine bestimmte Statue anhand eines Fotos finden. Intercaches funktionieren so ähnlich, benötigen aber eine Internetverbindung, während man Wherigos auch ohne mobile Daten spielen kann. In Göteborg hätte es an der großen Kathedrale einen Intercache gegeben, der einen um und durch die Kathedrale führt. Oftmals bekommt man an den Stationen zusätzliche Infos über das Gebäude, so dass das wie ein digitaler Reiseführer funktioniert.

Gibt es eine Art von Caches, die Sie gar nicht mögen?
Was ich nicht mag, sind lieblos gestaltete Caches ohne interessante Geschichte, deren Inhalt dreckig, angeschimmelt und nass ist. Caches, die nicht regelmäßig gewartet werden, wo daher das Logbuch voll ist und ich mich nicht eintragen kann. Caches, wo die Koordinaten nicht passen und ich mir einen Wolf suche. Der Klassiker ist ein Mikro, also ein richtig kleiner Cache, im Wald, 15 Meter vom Weg ab, mitten in Brennnesseln und Dornengestrüpp, den man dann nicht mal findet.
Obwohl, am ersten Mai hatte ich einen Mikro im Wald, Hinweis: „grün“, mitten in einer Ecke, wo ein Sturm mehrere Bäume entwurzelt hatte. Gerade als ich aufgeben wollte, sah ich einen kleinen 10 cm Tannenbaum, der da nicht hingehörte. Der war bei genauer Betrachtung in ein Eisenrohr gesteckt und am Boden des Tannenbaumtopfes klebte die Dose. Der war cool.

Würden Sie sagen, dass Geocaching die neue Art von „Schnitzeljagd“ ist?
Ja, aber Geocaching ist noch viel mehr. Bei der Schnitzeljagd meiner Kindheit hat ein Erwachsener Papierschnipsel im Wald als Fährte gelegt und am Ende kommt man an einer Grillhütte im Wald aus, für eine Party. Geocaching ist so viel mehr. Wenn Du einfach mal „GeoArt Geocaching“ googelst, wirst Du sehen was ich meine. Die „?“ von Mysteries können überall platziert werden, sie haben mit den Koordinaten des Caches nichts zu tun. Findige Cacher sind darauf gekommen, dass man damit Grafiken in die Landschaft malen kann: die olympischen Ringe, einen Wolf, eine alte Dampflok, die Yellow Submarine der Beatles oder die Stones-Zunge in Nordostflorida, R2D2 und der Todesstern aus Star Wars.
Ich habe die Interaktivität bei Wherigos und Intercaches, bekomme zusätzliche Infos, die so einen Cache in einen Reiseführer verwandeln.
Inzwischen habe ich mehrere GeoTours angefangen oder beendet. Das sind Cache-Serien, die vom State Park Service in Florida (Operation Recreation Geo Tour ORGT) oder z. B. von der Tourist Info in Baytown, Texas, betrieben werden. Das sind schöne, große, saubere Dosen, die zusammengehören und wenn man eine vorgegebene Anzahl an Caches gefunden und die im Behälter befindlichen Lösungsbuchstaben zu einem Lösungswort zusammengestellt hat, dann bekommt man ein Geschenk. In Baytown gab es ein Halstuch, ein Buff, eine Taschenlampe und einen Geocoin, eine Münze aus Metall in der Form des Staates Texas.
Am häufigsten cache ich im Urlaub und es ist schon eine Herausforderung, französische Rätsel zu lösen. Die Mehrzahl meiner gefundenen Caches liegt in den USA, wo ich regelmäßig im Herbst oder zu Ostern Urlaub mache. Aber auch hier in der Region gibt es schöne Caches, z. B. am Blausteinsee oder Longissimum (GC7Q8CD) von bernwell in Berensberg ist toll.

Hatten Sie schon einmal ein besonderes Erlebnis beim Cachen?
Dieses Jahr Ostern waren wir in Atlanta, Georgia und wollten einen Cache angehen, der „Nunn of your business“, also „das geht dich nix an“ hieß. Kaum näherten wir uns dem Gebäude, sahen wir schon einen schwarzen Wachmann, der natürlich direkt auf uns zu kam und wissen wollte, ob er uns helfen könne. Statt ihn anzulügen, haben wir ihm Geocaching erklärt. Als meine Frau „container“ also Behälter sagte, wurde er nervös. Eine Dose vor einem Behördengebäude? Muss ich das Bombenräumkommando rufen? Polizei? Feuerwehr? Inzwischen kam auch sein Kollege von der anderen Straßenseite rüber, um zu sehen, was da los ist. Ich habe den beiden auf dem Smartphone die Caching Karte gezeigt, und als der Wachmann den Namen des gesuchten Caches sah, fing er an zu grinsen, denn das besagte Gebäude war nach einem Politiker namens Nunn benannt. Ihm gefiel das Wortspiel sehr. Inzwischen hatte meine Frau den winzigen magnetischen Nano am Parkscheinautomaten gefunden, öffentlicher Bürgersteig, alles gut. Der Wachmann war echt überrascht, denn er arbeitet schon seit Jahren vor dem Gebäude und vom Cache hat er nie was mitbekommen.

Ich bedanke mich für das Interview.

Lars Holtmanns

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